Die Bergkirche Maria-Hilf in Eschenbach

Ein stilles Meisterwerk des Oberpfälzer Rokokos

Auf dem höchsten Punkt über Eschenbach, vor dem längst abgebrochenen Oberen Tor, entstand 1683 eine Maria-Hilf-Kapelle, die aufgrund des starken Zulaufs an Wallfahrten vom kurfürstlichen Hofbaumeister Wolfgang Diller aus Amberg 1771 - 1774 durch einen größeren Neubau ersetzt wurde. Die sogenannte Bergirkche weist der Stadt und dem Straßenmarkt ihre repräsentative Fassade mit dem Säulenportal und dem hohen Schweifgiebel zu. überragt vom 1906 erneuerten Turm, der die Gliederung der Fassade aufgreift und in einer Kuppel mit Laterne zum Abschluss führt. Außen, wie in dieser Zeit üblich, eher unspektakulär, offenbart die Bergkirche ihren Reichtum im Inneren.

Es öffnet sich ein weiter und lichter Saal, an den sich ein schmalerer Altarraum anschließt, beide von flachen Tonnen überwölbt. Den Blick durch das feine klassizistische Gitter unter der Empore bannt

sofort die prachtvolle Altarwand, deren dunkle Farbigkeit einen wirkungsvollen Kontrast zum hellen Raum bildet. Stuckdekor in Form von Muschelwerk (vom frz. rocaille leitet sich die Stilbezeichnung Rokoko ab) tragen nur das Chorgewölbe und der Chorbogen; dadurch steigert sich der Schmuck über dem Zentrum der Wallfahrt im Hochaltar. Es waren überwiegend Künstler aus Amberg an Bau und Ausstattung beteiligt: neben Baumeister Wolfgang Diller der Bildhauer Joachim Schlott (Hochaltar und Kanzel, vielleicht auch die Seitenaltäre) und die Maler Johann Michael Wild und Wolfang Pösl, der 1778/79 Hochaltar und Kanzel fasste. 

↑Die prachtvolle Kulisse der drei Altäre und der Kanzel bildet die Bühne des „Heiligen Theaters“, als das solche der Theaterarchitektur entlehnten Inszenierung im Barock oft verstanden wurden. 

Die eleganten Seitenaltäre des hl. Sebastian (links) und der Heimsuchung (rechts) entstanden um 1778. Sie sind schräg in die Ecken des Langhauses gesetzt und leiten den Blick in den Chor. Zwei Säulen rahmen jeweils die flach gerundeten und breiten Retabel, in denen je zwei Heilige die beiden um 1830 entstandenen nazarenischen Altarbilder begleiten: im Sebstaiansaltar das Bild des Titelheiligen, zwischen den ‚Bauernheiligen‘ Wendelin und Notburga, im Heimsuchungsaltar die Begegnung von Maria und Elisabeth mit den Figuren der Hll. Elisabeth und Zacharias. 

Auch die Kanzel an der linken Chorschräge ist in die ‚Inszenierung‘ einbezogen. Mit Ausnahme von Engelsköpfchen verzichtet sie auf figürlichen Schmuck und wirkt in aller Bewegung der Einzelteile vornehm und dezent. 

In Schlotts virtuosem Hochaltar erreicht der Schmuck seine höchste Steigerung, besonders um das von einem Baldachin mit Vorhangdraperie gerahmte Wallfahrtsbild, einer Kopie des

↑Das Tabernakel am Hochaltar. In den Details wird die meisterhafte Schnitzkunst Joachim Schlotts erkennbar. 

Das Wallfahrtsbild ist eine der vielen Kopien des Mariahilf-Bildes, das Lukas Cranach 1514 malte und das seit 1750 in der Innsbrucker Jakobskirche hängt. 

Amberger Mariahilf-Bildes von 1654. Der Altar bleibt einerseits flächig, füllt den Raum zwischen den Chorfenstern, setzt andererseits mit den Säulen, den starken Eckgebälken und Seitenfiguren der Hll. Anna und Joachim kräftige Akzente. Der Auszug krönt den Altar mit dem Bild der Dreifaltigkeit von Johann Michael Wild.

Die Deckengemälde der Himmelfahrt Mariens über dem Langhaus und Marias als Himmelskönigin im Engelsorchester über dem Hochaltar stammen von dem renommierten Kirchenmaler Josef Wittmann (1880 - 1968). Typisch für ihre Entstehungszeit 1938 sind die schlanken Figuren und die herb-reduzierte Farbigkeit. 

↑ Der Blick über die Kanzel in den Chor mit dem Hochaltar lässt auch eines der nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Glasfenster der Regensburger Werkstatt Josef Schneider erkennen.

Kulturschätze 9
Hg.: Katholisches Pfarramt, 92676 Eschenbach
Text: Prof. Dr. Peter Morsbach
Fotos: Gerald Richter